Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern – Vitamin- und Mineralstoffmangel

Taubheitsgefühle und Kribbeln in den Fingern gehören zu den Sensibilitätsstörungen, die in der Medizin als Parästhesien bezeichnet werden. Dieser Begriff bezieht sich auf ungewöhnliche Empfindungen wie Stechen, Brennen oder das Gefühl, als würden Nadeln in die Haut stechen, die ohne erkennbaren äußeren Reiz auftreten. Bereits im 19. Jahrhundert begann man, ähnliche Empfindungsstörungen in den Gliedmaßen genauer zu beschreiben, und um 1850 wurden die ersten Berichte über nächtliches Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Händen veröffentlicht. Die Ursachen für solche Symptome können vielfältig sein. Dazu können auch Ernährungsmängel gehören.

Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern

  1. Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Händen
  2. Vitamin- und Mineralstoffmangel und Kribbeln
  3. EU-Register für gesundheitsbezogene Angaben
  4. FAQ – Häufig gestellte Fragen

Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Händen

Kribbeln ist ein ungewöhnliches Gefühl, das als stechender, unter der Haut verlaufender Strom beschrieben wird und auch ohne Berührung der Haut auftreten kann. In der Medizin werden solche Empfindungen als Parästhesien bezeichnet. Taubheitsgefühl bedeutet hingegen eine Schwächung oder einen teilweisen Verlust der Empfindungsfähigkeit, z. B. des Tastsinns, des Temperaturempfindens oder des Schmerzempfindens. Beide Symptome können gleichzeitig auftreten und einen einzelnen Finger, mehrere Finger, die gesamte Hand oder beide Hände betreffen.

Eine der häufigsten Ursachen ist eine Nerveneinklemmung. Beim Karpaltunnelsyndrom beispielsweise wird der Nervus medianus eingeklemmt, weshalb die Beschwerden in der Regel den Daumen, den Zeigefinger, den Mittelfinger und einen Teil des Ringfingers betreffen. Ein Taubheitsgefühl im kleinen Finger und einem Teil des Ringfingers deutet häufiger auf eine Reizung des Nervus ulnaris hin, z. B. im Bereich des Ellenbogens. Die Symptome können auch aus der Halswirbelsäule stammen, wenn es zu einer Kompression oder Reizung der Nervenwurzeln kommt. Ein kurzes Kribbeln nach dem Schlafen auf der Hand oder nach längerem Halten der Hand in einer Position ist in der Regel auf eine vorübergehende Kompression des Nervs zurückzuführen.

Zu den weiteren Ursachen zählen unter anderem:

  • Diabetes
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • chronische Nierenerkrankungen
  • Alkoholmissbrauch
  • bestimmte Medikamente und Chemotherapie
  • Erkrankungen des Nervensystems
  • Vitamin-B12-Mangel

Vorübergehende Empfindungsstörungen können auch bei Migräne mit Aura auftreten. Ein symmetrisches Kribbeln in beiden Händen tritt häufiger bei systemischen Ursachen auf, während auf bestimmte Finger beschränkte Symptome auf ein Problem mit einem bestimmten Nerv hindeuten können. Ein plötzliches Taubheitsgefühl auf einer Körperseite, insbesondere in Verbindung mit einer Schwäche der Hand oder des Beins, einem herabhängenden Mundwinkel oder Sprachstörungen, erfordert eine dringende ärztliche Untersuchung.

Referenzwerte für die Zufuhr (RWS) von Vitamin B12, Vitamin B1 und Kupfer in der Europäischen Union

Inhaltsstoff

RWS

Vitamin B12

2,5 µg

Vitamin B1 (Thiamin)

1,1 mg

Kupfer 

1 mg

Vitamin- und Mineralstoffmangel und Kribbeln

Vitamin B

Der am besten dokumentierte Mangel im Zusammenhang mit Sensibilitätsstörungen ist der Vitamin-B12-Mangel. Er kann zu Schädigungen der Nerven und des Rückenmarks führen; zu den möglichen Symptomen zählen Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Händen oder Füßen. Neurologische Symptome können auch ohne Anämie auftreten. Ein Mangel tritt unter anderem häufiger auf bei einer Ernährung, die tierische Produkte ausschließt, ohne dass eine angemessene Nahrungsergänzung erfolgt, bei Resorptionsstörungen, nach bestimmten Operationen am Verdauungstrakt sowie bei der Einnahme bestimmter Medikamente, die die Resorption von Vitamin B12 beeinträchtigen (z. B. in der Chemotherapie eingesetzte Medikamente wie Metronidazol, Nitrofurantoin, Isoniazid, Amiodaron).

Von Bedeutung für die Funktion des Nervensystems ist auch Vitamin B1, also Thiamin. Ein ausgeprägter Mangel daran kann mit einer peripheren Neuropathie einhergehen und tritt häufiger u. a. bei Unterernährung, chronischem Alkoholmissbrauch oder Resorptionsstörungen auf. Unter den Mineralstoffen kommt Kupfer eine besondere Bedeutung zu. Ein erheblicher Mangel daran kann zu Schädigungen des Rückenmarks und der Nerven führen, wobei das neurologische Bild teilweise einem Vitamin-B12-Mangel ähneln kann. Störungen des Mineralstoffhaushalts sind jedoch keine typische Ursache für chronische Taubheitsgefühle, die auf einige Finger beschränkt sind.

EU-Register für gesundheitsbezogene Angaben

Im EU-Register für gesundheitsbezogene Angaben sind Angaben zugelassen, wonach Vitamin B1, Vitamin B6, Vitamin B12, Magnesium, Kalium und Kupfer zu einer normalen Funktion des Nervensystems beitragen. Für Kalzium wurde hingegen die Angabe zugelassen, dass es zur normalen Nervenübertragung beiträgt. Es handelt sich hierbei um Angaben zu normalen physiologischen Funktionen des Körpers und nicht zur Behandlung von Taubheitsgefühlen oder Kribbeln.

„Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Fingern bedeuten nicht automatisch einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel. Die Ursache kann eine Kompression eines bestimmten Nervs, eine systemische Erkrankung oder ein Mangel an für das Nervensystem wichtigen Nährstoffen sein – insbesondere an Vitamin B12. Bei wiederkehrenden oder anhaltenden Symptomen ist es daher am wichtigsten, deren Ursache zu ermitteln.“ Łukasz Domeracki – Ernährungsberater und Personal Trainer

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Welche Vitamine können bei Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Händen fehlen?

Am besten belegt ist der Zusammenhang mit einem Vitamin-B12-Mangel. Auch ein erheblicher Vitamin-B1-Mangel kann zu einer peripheren Neuropathie führen.

Kann ein Vitamin-B12-Mangel zu Taubheitsgefühlen in den Fingern führen?

Ja. Ein Vitamin-B12-Mangel kann zu neurologischen Störungen führen, darunter Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Händen oder Füßen. Wichtig ist, dass neurologische Symptome auch ohne Anämie auftreten können.

Kann ein Mineralstoffmangel ein Kribbeln verursachen?

Diese Möglichkeit wird unter anderem bei einem erheblichen Kupfermangel beschrieben. Kupfer ist wichtig für die normale Funktion des Nervensystems, jedoch sind Mangelzustände weder die einzige noch die typische Ursache für ein Taubheitsgefühl, das auf einige bestimmte Finger beschränkt ist.

Hilft Magnesium bei Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Händen?

Magnesium trägt zur normalen Funktion des Nervensystems bei, doch das bedeutet nicht, dass eine Magnesiumergänzung in jedem Fall eine geeignete Behandlung für Kribbeln darstellt. Zunächst sollte die Ursache der Beschwerden ermittelt werden.

Warum werden Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger taub?

Ein solches Symptombild kann bei einer Kompression des Nervus medianus auftreten, unter anderem beim Karpaltunnelsyndrom. Die Verteilung der Symptome allein reicht jedoch nicht aus, um eine Diagnose zu stellen.

Was kann ein Taubheitsgefühl im kleinen Finger und im Ringfinger bedeuten?

Es kann mit einer Reizung oder Kompression des Nervus ulnaris zusammenhängen, z. B. im Bereich des Ellenbogens. Wenn das Problem häufig wiederkehrt oder sich verschlimmert, sollten Sie einen Facharzt konsultieren.

Wann erfordert ein Taubheitsgefühl in der Hand dringende Hilfe?

Eine dringende medizinische Untersuchung ist insbesondere bei einem plötzlichen Taubheitsgefühl auf einer Körperseite erforderlich, das mit Symptomen wie Schwäche in der Hand oder im Bein, einem herabhängenden Mundwinkel oder Sprachstörungen einhergeht.

Quellen:

  • Gwathmey, K. G., & Grogan, J. (2020). Nutritional neuropathies. Muscle & nerve, 62(1), 13–29. https://doi.org/10.1002/mus.26783
  • Alvarez, M., Poveda, S., Cisneros, A., Parra, D., Luna, M., Rincón, O., & Guzman, I. (2026). B Vitamin Deficiencies and Associated Neuropathies. Current nutrition reports, 15(1), 8. https://doi.org/10.1007/s13668-025-00723-3
  • Wipperman, J., & Penny, M. L. (2024). Carpal Tunnel Syndrome: Rapid Evidence Review. American family physician, 110(1), 52–57.
ARTIKEL BEWERTEN:
0 / 5