Adipositas wird oft in erster Linie mit dem Aussehen und dem Körpergewicht in Verbindung gebracht. Dabei können ihre Folgen im Alltag deutlich stärker spürbar sein. Treppensteigen, längere Spaziergänge, das Putzen der Wohnung, Einkaufen, das Aufstehen aus einem Stuhl oder das Finden einer bequemen Schlafposition können mit der Zeit mehr Anstrengung erfordern als früher. Es treten Müdigkeit, Atemnot, Gelenkschmerzen, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und manchmal auch eine Abneigung gegen körperliche Aktivität auf.
![Fettleibigkeit – Müdigkeit, Atemnot]()
- Wo liegt das Problem?
- Jeder Schritt erfordert mehr Kraftaufwand
- Man kommt schneller außer Atem
- Die Gelenke können stärker belastet werden
- Alltägliche Tätigkeiten können mehr Energie kosten
- Müdigkeit kann mehr als eine Ursache haben
- Adipositas kann einen guten Schlaf erschweren
- Auch die Psyche spielt eine Rolle
- Man muss nicht alles auf einmal ändern
- Wann sollte man einen Arzt konsultieren?
- Zusammenfassung
- FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wo liegt das Problem?
Das bedeutet nicht, dass eine Person mit Adipositas einfach „schwächer“ oder aus eigener Schuld weniger leistungsfähig ist. Der Körper muss unter einer größeren Belastung funktionieren, und darüber hinaus kann Übergewicht mit Stoffwechselveränderungen, Schlafstörungen, Beschwerden des Bewegungsapparats und anderen gesundheitlichen Problemen einhergehen. Infolgedessen kann ein Teufelskreis entstehen: Je schwieriger es ist, sich zu bewegen, desto weniger Bewegung gibt es, und je weniger Bewegung es gibt, desto schwieriger ist es, wieder fit zu werden.
Jeder Schritt erfordert mehr Kraftaufwand
Selbst die einfachsten Bewegungsabläufe werden anspruchsvoller, wenn der Körper eine größere Masse bewegen muss. Dies gilt sowohl für das Gehen als auch für das Treppensteigen oder das Aufstehen von einem Stuhl. Beim Gehen werden unter anderem die Muskeln der Beine und des Rumpfes beansprucht, und die Gelenke müssen die mit jedem Schritt verbundenen Belastungen aushalten. Bei einem höheren Körpergewicht muss der Bewegungsapparat eine größere mechanische Belastung bewältigen. Das bedeutet nicht, dass jede Person mit Adipositas Schmerzen in den Knien oder der Wirbelsäule haben wird, aber das Risiko für Probleme des Bewegungsapparats kann höher sein. Daher kann eine Tätigkeit, die zuvor automatisch ablief, nun mehr Anstrengung erfordern. Ein paar Treppenstufen sind keine kleine Herausforderung mehr, und ein längerer Spaziergang kann zu einer Müdigkeit führen, die zuvor nicht auftrat.
Man kommt schneller außer Atem
Körperliche Anstrengung erfordert Muskelarbeit, und arbeitende Muskeln benötigen eine ausreichende Menge an Sauerstoff und Energie. Bei einem höheren Körpergewicht kann die Ausführung derselben Bewegung einen höheren Energieaufwand erfordern. Infolgedessen können Herzfrequenz und Atemfrequenz während der Aktivität schneller ansteigen. Eine Person, die lange Zeit einen sitzenden Lebensstil geführt hat, kann zudem eine geringe körperliche Leistungsfähigkeit aufweisen. Dann kann schon ein relativ gemächlicher Spaziergang zu deutlicher Atemnot führen. Das schreckt oft von weiterer Aktivität ab, da die Überzeugung entsteht: „Wenn ich mich so schnell ermüde, bin ich nicht zum Sport geeignet.“ Dabei lässt sich eine geringe körperliche Leistungsfähigkeit schrittweise verbessern. Man muss nicht gleich mit einem intensiven Training beginnen. Für eine inaktive Person können bereits wenige Minuten ruhigen Gehens ein guter Ausgangspunkt sein.
Die Gelenke können stärker belastet werden
![übergewichtige Frau – Atemnot, Müdigkeit]()
Knie, Hüften, Sprunggelenke und Wirbelsäule sind an fast jeder Bewegung beteiligt. Bei einem höheren Körpergewicht sind sie größeren mechanischen Belastungen ausgesetzt, insbesondere beim Gehen, beim Treppensteigen oder beim Aufstehen.
Wenn Schmerzen auftreten, ist es eine natürliche Reaktion, die Bewegung einzuschränken. Man beginnt, Treppen, Spaziergänge, Einkäufe, die längeres Gehen erfordern, oder sportliche Aktivitäten zu meiden. Kurzfristig mag dies Linderung bringen, doch eine langfristige Bewegungseinschränkung führt zu einem weiteren Rückgang der Leistungsfähigkeit. Weniger Aktivität bedeutet auch weniger Gelegenheiten, die Muskeln zu stärken. Schwächere Muskeln können wiederum die Ausführung alltäglicher Tätigkeiten erschweren. So entsteht ein Kreislauf, der nur schwer durchbrochen werden kann, ohne die Aktivität schrittweise zu steigern und sie entsprechend den körperlichen Möglichkeiten anzupassen.
Alltägliche Tätigkeiten können mehr Energie kosten
Adipositas wirkt sich nicht nur auf das Training oder den Sport aus. Sie kann auch bei der Erledigung alltäglicher Aufgaben spürbar sein. Putzen, Kochen, Einkaufen, das Spielen mit dem Kind oder längeres Stehen können zu größerer Ermüdung führen. Ein weiteres Problem kann die eingeschränkte Beweglichkeit sein. Ein größerer Bauchumfang kann das Bücken, das Anziehen von Schuhen oder die Ausführung bestimmter Übungen erschweren. Manche Körperhaltungen werden einfach unbequemer. Gerade die Summe solcher kleinen Schwierigkeiten kann dazu führen, dass Menschen mit Adipositas beginnen, ihre täglichen Aktivitäten einzuschränken. Nicht, weil sie sich nicht bewegen wollen, sondern weil Bewegung mehr Anstrengung erfordert als früher.
Müdigkeit kann mehr als eine Ursache haben
Nicht jeder Mensch mit Adipositas ist ständig müde. Tritt jedoch ein chronisches Gefühl von Energielosigkeit auf, sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass das Körpergewicht allein die Ursache ist. Unter anderem kann auch die Schlafqualität eine Rolle spielen. Adipositas erhöht das Risiko für obstruktive Schlafapnoe, die zu einer schlechteren Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und einem Gefühl der Erschöpfung führen kann. Auch andere Erkrankungen, eingenommene Medikamente, unzureichende körperliche Aktivität, eine unausgewogene Ernährung oder chronischer Stress können das Problem sein. Wenn die Müdigkeit stark ist, lange anhält oder von anderen beunruhigenden Symptomen begleitet wird, sollte man mit einem Arzt sprechen, anstatt zu versuchen, das Problem ausschließlich durch mehr Bewegung zu lösen.
Adipositas kann einen guten Schlaf erschweren
![Frau – Schlaflosigkeit]()
Schlaf und Körpergewicht können auf vielfältige Weise miteinander zusammenhängen. Neben der bereits erwähnten Schlafapnoe kann auch ein geringerer Schlafkomfort eine Rolle spielen. Es fällt schwerer, eine bequeme Schlafposition zu finden, es kommt zu Schnarchen, häufigem Aufwachen oder übermäßiger Tagesmüdigkeit. Wenn der Schlaf keine ausreichende Erholung bietet, fällt es am nächsten Tag schwerer, die Energie für einen Spaziergang oder ein Training aufzubringen. Zudem steigt das Verlangen nach Ruhe und einem sitzenden Lebensstil. Dies ist ein weiterer Teil des Teufelskreises. Weniger Bewegung kann zu einer schlechteren Kondition führen, und eine schlechtere Kondition macht Bewegung wiederum anstrengender.
Auch die Psyche spielt eine Rolle
Körperliche Einschränkungen sind nur ein Teil des Problems. Viele übergewichtige Frauen empfinden Scham, werden wegen ihres Aussehens kritisiert oder fürchten die Beurteilung durch andere. Aus diesem Grund verzichten sie möglicherweise auf Schwimmbadbesuche, das Fitnessstudio, Gruppenkurse oder sogar Spaziergänge an Orten, an denen sie sich beobachtet fühlen.
Hinzu kommen frühere gescheiterte Abnehmversuche. Eine weitere Diät, die mit großen Erwartungen begonnen und mit einer Rückkehr zu den alten Gewohnheiten geendet hat, kann das Selbstwirksamkeitsgefühl mindern. Es lohnt sich jedoch, das Körpergewicht vom Wert eines Menschen zu trennen. Übergewicht bedeutet nicht Faulheit, Charakterschwäche oder mangelnde Selbstfürsorge. Solche Überzeugungen tragen nicht zur Verhaltensänderung bei, und zusätzliche Schamgefühle können die Suche nach professioneller Unterstützung sogar erschweren.
Man muss nicht alles auf einmal ändern
Wenn der Alltag schwieriger geworden ist, gerät man leicht in die Denkfalle, dass eine sofortige Umwälzung notwendig ist. Eine neue Diät, tägliches Training, Tausende von Schritten und der vollständige Verzicht auf Lieblingsspeisen können sich jedoch als zu große Belastung erweisen. Viel vernünftiger ist es, sich auf ein oder zwei konkrete Bereiche zu konzentrieren. Das kann ein regelmäßiger, kurzer Spaziergang sein oder häufigeres Aufstehen vom Schreibtisch. Mit der Zeit können weitere Elemente hinzukommen. Das Ziel muss nicht unbedingt eine sofortige Veränderung der Figur sein. Ein erster Erfolg kann schon darin bestehen, dass das Treppensteigen nicht mehr so anstrengend ist, der Spaziergang ein paar Minuten länger dauert oder die täglichen Aufgaben nicht mehr so sehr erschöpfen wie zuvor.
Wann sollte man einen Arzt konsultieren?
Bestimmte Symptome erfordern die Beurteilung durch einen Facharzt. Besonders wichtig sind unter anderem Brustschmerzen bei körperlicher Anstrengung, Ohnmachtsanfälle, starke oder ungewöhnliche Atemnot, zunehmendes Herzklopfen oder starke Gelenkschmerzen. Bei starkem Übergewicht lohnt es sich ebenfalls, den Gesundheitszustand abklären zu lassen, insbesondere wenn seit längerer Zeit keine Vorsorgeuntersuchungen mehr durchgeführt wurden oder chronische Erkrankungen vorliegen. Ein Arzt kann dabei helfen, Risikofaktoren einzuschätzen und eine sichere Methode zur Steigerung der körperlichen Aktivität auszuwählen. Es geht nicht darum, Angst vor Bewegung zu haben. Im Gegenteil – es geht darum, auf eine Weise damit zu beginnen, die dem aktuellen Gesundheitszustand und der körperlichen Leistungsfähigkeit angepasst ist.
Zusammenfassung
Bei Adipositas kann der Alltag schwieriger werden, da ein höheres Körpergewicht den Bewegungsapparat stärker belastet und viele Tätigkeiten einen höheren Energieaufwand erfordern. Zudem können Schlafstörungen, Schmerzen, eine verminderte Leistungsfähigkeit oder Einschränkungen bei der Aktivität auftreten. Auch die psychische Verfassung spielt eine Rolle – Schamgefühle und die Angst vor der Beurteilung durch andere können dazu führen, dass man Bewegung meidet.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Situation unumkehrbar ist. Die körperliche Leistungsfähigkeit lässt sich schrittweise aufbauen, beginnend auf einem Niveau, das den aktuellen Möglichkeiten entspricht. Man muss nicht sofort joggen, intensive Trainingseinheiten absolvieren oder eine bestimmte Schrittzahl erreichen. Manchmal ist der erste wichtige Schritt einfach nur ein paar Minuten Bewegung pro Tag.
Je früher es gelingt, den Teufelskreis der Inaktivität zu durchbrechen, desto leichter lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit wiederherstellen. Es lohnt sich, nicht nur auf die Anzahl der Kilogramm zu achten, sondern auch darauf, wie der Körper funktioniert: Wie lange kann man gehen, wie leicht steht man vom Stuhl auf, wie sieht die tägliche Leistungsfähigkeit aus und wie viel Energie bleibt für das Leben jenseits der Pflichten übrig? Gerade diese Veränderungen können ein erstes Anzeichen dafür sein, dass der Körper besser zurechtkommt.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
DWarum tritt bei Adipositas schneller Ermüdung auf?
Das Bewegen eines höheren Körpergewichts erfordert einen höheren Energieaufwand, weshalb beim Gehen, Treppensteigen oder Aufstehen aus einem Stuhl das Herz-Kreislauf-System und die Muskeln intensiver arbeiten müssen. Wenn zusätzlich eine geringe Leistungsfähigkeit aufgrund mangelnder Aktivität vorliegt, kann Ermüdung noch schneller auftreten.
Verursacht Übergewicht immer Schmerzen in den Knien und der Wirbelsäule?
Nein. Nicht jede übergewichtige Person leidet unter Schmerzen. Ein höheres Körpergewicht erhöht jedoch die mechanische Belastung der Gelenke und kann einer der Faktoren sein, die das Risiko für Probleme des Bewegungsapparats erhöhen.
Warum fällt das Treppensteigen bei Übergewicht schwerer?
Das Treppensteigen erfordert den gleichzeitigen Einsatz großer Muskelgruppen sowie das Heben des Körpergewichts gegen die Schwerkraft. Je größer die zu bewegende Masse ist, desto höher kann der Energieaufwand für eine solche Tätigkeit sein.
Bedeutet Atemnot bei Übergewicht eine Herzerkrankung?
Nicht immer. Sie kann auf eine geringe körperliche Leistungsfähigkeit, einen höheren Energieaufwand bei der Bewegung oder einen sitzenden Lebensstil zurückzuführen sein. Wenn die Atemnot jedoch stark und ungewöhnlich ist, bereits bei sehr geringer Anstrengung auftritt oder von Brustschmerzen, Ohnmachtsanfällen oder Herzklopfen begleitet wird, ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.
Kann Übergewicht den Schlaf beeinträchtigen?
Ja. Übergewicht erhöht unter anderem das Risiko für obstruktive Schlafapnoe. Eine schlechtere Schlafqualität kann wiederum die Tagesmüdigkeit verstärken und die Ausübung körperlicher Aktivität erschweren.
Warum kann weniger Bewegung die körperliche Leistungsfähigkeit zusätzlich verschlechtern?
Eine langfristige Einschränkung der körperlichen Aktivität kann zu einem Rückgang der Ausdauer, der Muskelkraft und der Belastbarkeit führen. Infolgedessen erfordern alltägliche Aktivitäten noch mehr Anstrengung, was dazu führt, dass Bewegung noch stärker vermieden wird.
Sollte eine Person mit Adipositas sofort mit intensivem Training beginnen?
Das ist nicht notwendig. Für jemanden, der bisher inaktiv war, sind kurze Spaziergänge, einfache Kräftigungsübungen, Aktivitäten im Wasser oder eine schrittweise Steigerung der täglichen Bewegung ein besserer Einstieg. Die Intensität sollte der aktuellen Fitness und dem Gesundheitszustand entsprechen.
Ist eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit auch ohne großen Gewichtsverlust möglich?
Ja. Eine Steigerung der körperlichen Aktivität kann die Ausdauer, Kraft, das Gleichgewicht und die Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben verbessern, auch wenn sich das Körpergewicht nicht schnell verändert. Daher lohnt es sich, Fortschritte nicht nur anhand des Gewichts zu beurteilen.
Ist Adipositas ausschließlich eine Folge von Bewegungsmangel und schlechten Gewohnheiten?
Nein. Adipositas ist ein komplexer Zustand, der durch biologische, genetische, hormonelle, umweltbedingte, psychologische und soziale Faktoren beeinflusst werden kann. Sie ausschließlich auf „mangelnde Willenskraft“ zurückzuführen, entspricht nicht dem aktuellen Verständnis des Problems.
Quellen:
- https://www.yalemedicine.org/news/biology-of-obesity
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10729542/
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