Omega-3-Fettsäuren für Kinder und Jugendliche – wie dosiert man sie und welche sollte man wählen?
Bereits in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde intensiv untersucht, ob Säuglingsnahrung langkettige mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten sollte, die natürlicherweise in der Muttermilch vorkommen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf Docosahexaensäure (DHA) gelegt, da man einen hohen Gehalt dieser Säure im Gehirn und in der Netzhaut des sich entwickelnden Kindes festgestellt hatte. In den folgenden Jahren wurde DHA zunehmend in Säuglingsnahrung berücksichtigt, und heute ist der Zusatz von DHA zu Säuglingsnahrung in der Europäischen Union vorgeschrieben.
Die Rolle der Omega-3-Fettsäuren bei der kindlichen Entwicklung Natürliche Omega-3-Quellen, die für die Kleinsten geeignet sind Wie wählt man Omega-3-Präparate für Kinder aus – worauf sollte man achten? Sichere Omega-3-Dosierung bei Kindern und Jugendlichen FAQ – Häufig gestellte Fragen
Die Rolle der Omega-3-Fettsäuren bei der kindlichen Entwicklung
Omega-3-Fettsäuren gehören zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren und erfüllen im Körper je nach Art unterschiedliche Funktionen. ALA, also Alpha-Linolensäure, ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Ernährung, da der menschliche Körper sie nicht selbst herstellen kann. Aus ALA können andere wichtige Fettsäuren gebildet werden, nämlich EPA (Eicosapentaensäure) und die bereits erwähnte DHA. Die Effizienz dieser Umwandlungsprozesse ist begrenzt, weshalb pflanzliche ALA-Quellen nicht als vollwertiger Ersatz für Produkte angesehen werden sollten, die bereits fertiges EPA und DHA liefern.
DHA kommt in großen Mengen in den Zellmembranen des Nervengewebes und der Netzhaut des Auges vor, wobei sich diese Säure insbesondere in der frühen Lebensphase intensiv im Gehirn anreichert. In der Europäischen Union ist die Angabe zulässig, dass DHA zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion beiträgt. Ebenfalls zugelassen ist die Angabe, dass DHA zur Erhaltung eines normalen Sehvermögens beiträgt. Bei beiden Angaben tritt die positive Wirkung bei einer täglichen Zufuhr von 250 mg DHA ein, und ihre Verwendung unterliegt bestimmten Bedingungen hinsichtlich des DHA-Gehalts in Lebensmitteln.
Natürliche Omega-3-Quellen, die für die Kleinsten geeignet sind
Die meisten EPA und DHA liefern Fische, insbesondere fettreichere Arten wie Lachs, Hering, Sardinen, Makrelen oder Forellen. Der Gehalt dieser Fettsäuren variiert je nach Art, Herkunft des Fisches, seiner Ernährung und dem Fettgehalt im essbaren Teil. Auch magerere Fischarten, wie beispielsweise Kabeljau, enthalten EPA und DHA, allerdings in der Regel in geringeren Mengen. Kindern kann man gebackenen, gekochten oder geschmorten Fisch servieren, wobei zuvor sorgfältig auf Gräten geprüft und die Größe der Stücke dem Alter angepasst werden sollte.
Eine weitere Gruppe bilden pflanzliche Quellen für Omega-3-Fettsäuren, genauer gesagt ALA. Dazu gehören unter anderem Leinsamen, Chiasamen, Walnüsse, Leinöl und Rapsöl. Bei jüngeren Kindern sollten Nüsse und Samen in einer altersgerechten Form gereicht werden, beispielsweise gemahlen oder zerkleinert und in Haferbrei, Joghurt oder andere Speisen eingearbeitet.
Ungefährer Gehalt der wichtigsten Omega-3-Fettsäuren in verschiedenen Ölen
ALA (mg/100g)
EPA (mg/100 g)
DHA (mg/100g)
ca 100–53 000
0
0
ca 6 000-45 000
ca 4 000-22 000
in der Regel wenig oder keine
ca 800-15 000*
ca 24 000-42 000*
*Die Zusammensetzung von Mikroalgenölen hängt sehr stark von der Art und der Herstellungsweise ab; einige Präparate sind fast ausschließlich auf DHA ausgerichtet, während andere auch erhebliche Mengen an EPA liefern können.
Wie wählt man Omega-3-Präparate für Kinder aus – worauf sollte man achten?
Bei der Auswahl eines Präparats sollte man vor allem den Gehalt der einzelnen Omega-3-Fettsäuren in der vom Hersteller empfohlenen Tagesdosis überprüfen. Die Angabe „1000 mg Fischöl“ bedeutet nicht 1000 mg EPA und DHA, da das Öl auch andere Fettbestandteile enthält. Lebertran, also Öl aus der Kabeljauleber, ist von gewöhnlichem Fischöl zu unterscheiden, da er zusätzlich Vitamine A und D liefern kann. Auf dem Etikett sollte daher der Gehalt an DHA und EPA separat angegeben sein, und es sollte überprüft werden, wie vielen Kapseln, Millilitern oder Portionen diese Menge entspricht.
Das Präparat sollte für die entsprechende Altersgruppe bestimmt sein und eine präzise Dosierung ermöglichen. DHA kann sowohl aus Fischöl als auch aus Mikroalgenöl stammen, wodurch sich auch ein Produkt finden lässt, das für eine fischfreie Ernährung geeignet ist. Von Bedeutung sind die Lagerbedingungen, das Verfallsdatum sowie die Angaben des Herstellers zu Qualitätskontrolle und Verunreinigungen.
Sichere Omega-3-Dosierung bei Kindern und Jugendlichen
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Säuglinge ab dem 6. Lebensmonat und Kleinkinder unter 24 Monaten eine angemessene Aufnahmemenge von 100 mg DHA pro Tag festgelegt. Dieser Wert bezieht sich auf die Gesamtaufnahme. Für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 18 Jahren hat die EFSA keinen gesonderten, altersabhängigen Wert festgelegt. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die Ernährungsempfehlungen den Empfehlungen für Erwachsene entsprechen können, d. h. etwa 250 mg EPA und DHA pro Tag. Bei der Festlegung der Präparatmenge müssen das Alter, die Ernährungsweise, der Fischverzehr, der Gehalt an EPA und DHA in einer bestimmten Portion sowie andere eingenommene Nahrungsergänzungsmittel berücksichtigt werden.
„Bei Omega-3-Präparaten für Kinder kommt es nicht auf die Größe der Kapsel oder die Menge an Fischöl an, sondern auf den tatsächlichen Gehalt an DHA und EPA. Man sollte auch bedenken, dass pflanzliche ALA-Quellen kein vollwertiger Ersatz für fertiges EPA und DHA sind. Daher ist es bei der Auswahl eines Präparats am besten, von der Ernährung des Kindes auszugehen und anschließend auf dem Etikett die konkrete Menge der einzelnen Omega-3-Fettsäuren in der Tagesportion zu überprüfen. “ Łukasz Domeracki – Ernährungsberater
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie viel Omega-3 braucht ein Kind?
Laut EFSA beträgt die angemessene Zufuhr für Säuglinge ab dem 6. Lebensmonat und Kleinkinder unter 2 Jahren 100 mg DHA pro Tag. Dieser Wert bezieht sich auf die Gesamtzufuhr. Für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 18 Jahren wird empfohlen, die für Erwachsene geltenden Richtwerte anzuwenden, d. h. etwa 250 mg EPA und DHA pro Tag.
Muss ein Kind Omega-3-Präparate einnehmen?
Nicht jedes Kind benötigt automatisch ein Nahrungsergänzungsmittel. Bei der Entscheidung darüber sollten vor allem die Ernährung – einschließlich der Häufigkeit des Fischverzehrs –, das Alter sowie die über die Nahrung aufgenommene Menge an EPA und DHA berücksichtigt werden.
Welche Fischsorten sind eine gute Omega-3-Quelle für Kinder?
Vor allem fettreiche Fischsorten wie Lachs, Hering, Sardinen, Makrele oder Forelle liefern viel EPA und DHA. Der Gehalt dieser Fettsäuren kann jedoch je nach Fischart und konkretem Produkt erheblich variieren.
Sind Leinsamen und Chia ein Ersatz für Fisch?
Sie sind kein vollwertiger Ersatz. Leinsamen, Chia und Walnüsse liefern vor allem ALA. Der Körper kann ALA zwar in EPA und DHA umwandeln, doch die Effizienz dieses Prozesses ist begrenzt.
Worauf sollte man beim Etikett eines Omega-3-Präparats für Kinder achten?
Am wichtigsten ist die separat angegebene Menge an DHA und EPA in der Tagesdosis. Die Angabe "1000 mg Fischöl" bedeutet nicht, dass das Produkt 1000 mg EPA und DHA enthält. Es lohnt sich auch zu prüfen, für welches Alter das Präparat bestimmt ist und wie es gelagert werden sollte.
Sind Omega-3-Fettsäuren aus Mikroalgen für Kinder geeignet, die keinen Fisch essen?
Mikroalgenöl kann eine Quelle für DHA sein, und manche Präparate liefern auch EPA. Es kann daher eine Option für eine fischfreie Ernährung darstellen, wobei die genaue Zusammensetzung und die Verwendungszwecke des jeweiligen Produkts überprüft werden sollten.
Sind Lebertran und Fischöl dasselbe?
Nein. Lebertran ist Öl aus der Dorschleber und kann neben Omega-3-Fettsäuren auch die Vitamine A und D liefern. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn das Kind bereits andere Präparate einnimmt, die diese Vitamine enthalten.
Ist DHA wichtig für das Gehirn des Kindes?
DHA kommt in großen Mengen im Nervengewebe vor und reichert sich besonders stark im Gehirn in den ersten Lebensjahren an. In der EU ist die Angabe zulässig, dass DHA zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion beiträgt, sofern bestimmte Anwendungsbedingungen erfüllt sind.
Quellen:
van der Wurff, I. S. M., Meyer, B. J., & de Groot, R. H. M. (2020). Effect of Omega-3 Long Chain Polyunsaturated Fatty Acids (n-3 LCPUFA) Supplementation on Cognition in Children and Adolescents: A Systematic Literature Review with a Focus on n-3 LCPUFA Blood Values and Dose of DHA and EPA. Nutrients, 12(10), 3115. https://doi.org/10.3390/nu12103115
Campoy, C., Escolano-Margarit, M. V., Anjos, T., Szajewska, H., & Uauy, R. (2012). Omega 3 fatty acids on child growth, visual acuity and neurodevelopment. The British journal of nutrition, 107 Suppl 2, S85–S106. https://doi.org/10.1017/S0007114512001493
Kuratko, C. N., Barrett, E. C., Nelson, E. B., & Salem, N., Jr (2013). The relationship of docosahexaenoic acid (DHA) with learning and behavior in healthy children: a review. Nutrients, 5(7), 2777–2810. https://doi.org/10.3390/nu5072777
HINZUGEFÜGT:
30/09/2026
Die enthaltenen Inhalte dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Sie werden mit großer Sorgfalt auf ihre sachliche Richtigkeit geprüft. Sie sind jedoch nicht als Ersatz für eine individuelle Beratung durch einen Spezialisten gedacht, die auf die spezifische Situation des Lesers zugeschnitten ist.